Frage
Warum lassen sich pH- und Chlorwerte im Whirlpool nicht dauerhaft stabil halten?Hallo zusammen,
wir haben seit ca. 8 Wochen einen Bestway San Francisco Hydrojet (1.180 Liter, Wassertemperatur zwischen 32 und 35 °C, Nutzung durch 2 Erwachsene + 2 Kinder, eines davon noch mit Windeln) und bekommen die Wasserwerte einfach nicht dauerhaft stabil.
Kurzer Verlauf:
Anfangs mit Chlorgranulat (Calciumhypochlorit/Dichlor) gearbeitet, dabei öfter Schockchlorungen wegen milchigem Wasser und nicht messbarem Chlor
Nach einiger Zeit festgestellt, dass der Cyanursäurewert (CYA) durch das Granulat massiv angestiegen war (zwischenzeitlich bis 85 mg/l) und dadurch das Chlor kaum noch wirkte. Deshalb auf unstabilisiertes Flüssigchlor umgestiegen, dazwischen auch die Leitungen/Düsen mit Systemreiniger behandelt (Verdacht auf Biofilm in den Jet-Leitungen).
Seitdem: ständiges Wechselspiel zwischen zu hohem pH (steigt durch jede Chlorzugabe wieder) und zu niedrigem Chlor, dazwischen schon 3–4 Teil-/Komplettwasserwechsel
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Das eigentliche Problem: Wir kommen kaum noch zum Baden, weil fast täglich irgendein Wert nicht passt und wir stattdessen ständig nachdosieren, messen, wieder korrigieren. Es fühlt sich an, als würden wir mehr Zeit mit Chemie als mit dem Pool selbst verbringen.
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Meine Fragen an euch:
Ist dieses ständige Auf-und-Ab bei kleinen, warmen Whirlpools normal, und wie kriegt man das in einen stabileren, weniger reaktiven Rhythmus?
Wie geht ihr mit hoher Gesamtalkalität/pH-Schwankungen bei Flüssigchlor um, ohne ständig hinterherzukorrigieren?
Gibt es bei diesem Modell (Düsen und Umwälzpumpe laufen nie gleichzeitig) Besonderheiten, die man kennen sollte?
Freue mich über Erfahrungen, gerne auch "das ist bei uns auch so, das pendelt sich ein" – aktuell fehlt uns einfach die Zuversicht, dass sich das je stabilisiert.
Danke schon mal!
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Antwort
Vorweg: Nein, dein Whirlpool verhält sich nicht ungewöhnlich. Tatsächlich beschreibst du fast den klassischen Verlauf, den viele Besitzer kleiner, warmer Whirlpools in den ersten Monaten erleben. Das liegt weniger am Bestway San Francisco HydroJet selbst als an der Kombination aus kleinem Wasservolumen, hoher Wassertemperatur, intensiver Nutzung und der Wasserchemie.
Nach deiner Beschreibung habt ihr bereits viele richtige Schritte unternommen. Ein paar Punkte fallen jedoch auf.
**1. Der hohe CYA-Wert war tatsächlich ein Problem**
Ein Cyanursäurewert von 85 mg/l erklärt sehr gut, warum trotz Chlorzugaben kaum freies Chlor messbar war. Cyanursäure schützt Chlor zwar vor UV-Abbau, bindet es aber gleichzeitig. Ab etwa 50 mg/l nimmt die Desinfektionswirkung deutlich ab. Bestway empfiehlt für LAY-Z-SPA einen Stabilisatorwert von 30–50 ppm.
Der Wechsel auf Flüssigchlor war deshalb sinnvoll.
**2. Flüssigchlor lässt den pH-Wert scheinbar ständig steigen**
Das beobachten viele Whirlpoolbesitzer.
Flüssigchlor besitzt einen hohen pH-Wert. Kurzfristig steigt dadurch der gemessene pH tatsächlich an. Zusätzlich wird durch die starke Umwälzung und die HydroJet-Düsen Kohlendioxid aus dem Wasser ausgetrieben. Genau dieser CO₂-Verlust sorgt dafür, dass der pH-Wert immer weiter nach oben wandert.
Das ist kein Defekt des Whirlpools, sondern normale Wasserchemie.
**3. Die Gesamtalkalität ist wahrscheinlich der eigentliche Verursacher**
Du erwähnst eine hohe Gesamtalkalität.
Gerade diese sorgt dafür, dass der pH nach jeder Belüftung wieder ansteigt.
Bestway empfiehlt eine Gesamtalkalität von 80–120 ppm. Liegt sie deutlich darüber, ist permanentes Nachregeln praktisch vorprogrammiert.
Viele Whirlpoolbesitzer fahren ihre Alkalität bewusst eher am unteren Ende dieses Bereichs (ca. 80–90 ppm), weil der pH dann wesentlich stabiler bleibt.
**4. Ein Whirlpool mit 35 °C verbraucht enorm viel Chlor**
32–35 °C bedeuten:
- wesentlich schnellere Keimvermehrung
- schnellerer Chlorabbau
- höhere organische Belastung
Hinzu kommt:
- vier Personen
- ein Kind mit Windeln
Gerade Kleinkinder bringen deutlich mehr organische Belastung ins Wasser als Erwachsene. Dadurch wird Chlor wesentlich schneller verbraucht.
Dass ihr nach einem Badeabend kaum noch freies Chlor messen könnt, ist deshalb nicht ungewöhnlich.
**5. Drei bis vier Wasserwechsel zeigen eher, dass die Wasserchemie nie richtig zur Ruhe kommen konnte**
Jeder Wasserwechsel beginnt praktisch wieder bei Null:
- neue Alkalität
- neue Wasserhärte
- neuer pH
- neues Einregeln
Dadurch entsteht schnell der Eindruck, das Wasser sei "unbeherrschbar", obwohl sich das Gleichgewicht jedes Mal erst wieder aufbauen muss.
**6. Besonderheit beim HydroJet Pro**
Dass HydroJet-Düsen und Umwälzpumpe nicht gleichzeitig laufen, ist bei diesem System konstruktionsbedingt und kein Fehler.
Für die Wasserpflege bedeutet das:
- Chlor möglichst bei laufender Filterfunktion dosieren.
- Nach der Zugabe ausreichend umwälzen.
- Chemikalien niemals konzentriert an einer Stelle ins Wasser geben. Bestway empfiehlt, Chlor nur bei laufender Filter- oder Massagefunktion zuzugeben und nicht direkt auf die Folie zu dosieren.
**So würde ich künftig vorgehen**
- Gesamtalkalität zuerst auf 80–100 ppm einstellen.
- Danach den pH auf 7,2–7,4 bringen.
- Erst anschließend Chlor dosieren.
- Nach jedem Badegang sofort den freien Chlorgehalt wieder auf etwa 2–4 ppm anheben.
- Den Filter täglich mehrere Stunden laufen lassen und regelmäßig reinigen.
- CYA künftig im Blick behalten und möglichst dauerhaft unter 50 ppm halten.
**Zusammengefasst**
Nach deiner Beschreibung spricht nichts für einen Defekt. Vielmehr treffen hier mehrere Faktoren zusammen: zunächst ein zu hoher Cyanursäurewert, anschließend Flüssigchlor mit pH-Anstieg, vermutlich eine zu hohe Gesamtalkalität sowie eine hohe organische Belastung durch warmes Wasser und vier Badende.
Wenn die Gesamtalkalität einmal sauber eingestellt ist und ausschließlich mit unstabilisiertem Chlor gearbeitet wird, wird das System normalerweise deutlich ruhiger. Ganz wartungsfrei wird ein 1.180-Liter-Whirlpool bei 35 °C allerdings nie – tägliche Kontrollen nach intensiver Nutzung gehören bei dieser Beckengröße durchaus zum normalen Pflegeaufwand.
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